"Wer niemals eine philosophische Anwandlung gehabt hat, der geht durchs Leben und ist wie in ein Gefängnis eingeschlossen."
Bertrand Arthur William Russell, 3. Earl Russell (1872-1970), brit. Philosoph, Mathematiker & Logiker
QUELLE: Wilhelm Weischedel: „Die philosophische Hintertreppe“; Deutscher Taschenbuch Verlag
Heute bin ich beim Stöbern auf diese Weisheit gestoßen. Was haltet ihr davon?
Autorin: Dorothea Flechsig Titel: Sandor. Fledermaus mit Köpfchen Genre: Kinderbuch Verlag:Glückschuh Verlag Bestelllink Preis: 12,95 € Rezensionsexemplar:Blogg dein Buch Inhalt: Jendrik lebt mit seinem kleinen Bruder Tom bei seiner alleinerziehenden Mutter, Freyja. Die ist chronisch pleite und desorganisiert. Jendriks und Toms Vater hält sich in Norwegen auf, spielt aber für die Kinder keine Hauptrolle. Der verträumte Jendrik macht im Klassenzimmer eine erstaunliche Entdeckung: Eine Fledermaus wohnt im Rollokasten. Schnell schließen die beiden Freundschaft. Sandor hilft dem schüchternen Jungen, Anschluss bei seinen Klassenkameraden und die Beachtung von Lilli zu finden. Außerdem steht Sandor dem schlechten Schüler bei den Hausaufgaben und anderen Herausforderungen bei. Zusammen endecken Jendrik und sein neuer bester Freund einen Schatz. Ein turbulentes Abenteuer beginnt ... Story/Handlung/Dialoge/Spannung:
Prinzipiell finde ich es spannend, dass eine Fledermaus mal die Hauptrolle in einem Kinderbuch für sich beanspruchen konnte. Das ist innovativ.
Außerdem sind die Eckdaten der Familie an die modernen Lebensverhältnisse der Menschen angepasst. Endlich mal eine geschiedene Mutter, die mit ihren beiden Kindern alleine zurecht kommen muss. Das nenne ich mal ehrliche Kinderbuchliteratur. Die Autorin scheut sich nicht davor, heikle Themen wie Trennung, Kinderpsychologe und Mobbing auf kindgerechte Weise im Buch anzusprechen. Das gefällt mir sehr, weil die Lebensrealität vieler Kinder ebenso wenig heile ist. Sandor fungiert in diesem Kinderbuch als Schlüssel, der dem schüchternen, gemobbten und schlechten Schüler Jendrik hilft, sich in allen Lebenslagen besser zurecht zu finden. Dabei ist die Fledermaus manchmal entgegen aller biologischen Logik, auch am Tag unterwegs. Das finde ich schade, denn dieser Fehler wäre mit ein Wenig Recherche vermeidbar gewesen. Fledermäuse schlafen tagsüber, um nachts auf Nahrungssuche zu gehen. Sandor dürfte also nur nachts wach sein und umherfliegen.
Ansonsten gibt es hinten im Buch einen Anhang, in dem sich die Eltern etwas Wissenswertes über Fledermäuse anlesen können, wenn die Kinder Fragen dazu stellen. Das hat mir gut gefallen. Leider tauchen im Text selbst immer wieder Begriffe auf, die ich für schwierig halte, was das Verständnis betrifft, zumal ich das Alter der Zielgruppe auf 6-8 Jahre schätze.
Etwas unrealistisch hat mich angemutet, dass die Mutter sich mit dem Kinderpsychologen anfreundet und Jendrik damit einfach einverstanden ist ihn mit in den Urlaub zu nehmen.Ein Scheidungskind würde da vielleicht allergischer auf den neuen Freund der Mutter reagieren?!
Der Übergang von Kapitel 1 zu 2 ist nicht vorhanden. Die Geschichte wird dadurch im Fortgang gestört.Darüber kann man aber großzügig hinwegsehen, denn das Buch bringt den Kindern wichtige Dinge bei: Den Wert der Freundsschaft, der Ehrlichkeit, den Mut und die Einsatzbereitschaft für andere.
Die Dialoge haben mir gut gefallen, nur leider traten immer wieder Formatierungsprobleme auf. Außerdem sollten Gedanken lieber kursiv gesetzt werden.
Die Figuren sind sympathisch. Mit großer Freude habe ich die beiden Haupfiguren Jendrik und Sandor bei ihrem Abenteuer begleitet. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Kind Freude an der Geschichte hat, auch wenn ein zentraler Konflikt der Geschichte gut getan hätte.
Alle Bilder sind liebevoll und gekonnt gezeichnet. Das Buch ist ein solides Hartcover mit Lesezeichen.
Autor: Howard L. Anderson Titel: Albert - Ein glorreiches Schnabeltier Genre: Literatur
Inhalt:
Albert ist ein Schnabeltier, das seinen Zoo in Adelaide satt hat. Er bricht aus und macht sich auf die Suche nach dem legendären "Alten Australien", wo Tiere noch in Würde leben können.
Auf seiner Reise begegnet er z.B.: einem pyromanischen Wombat, einem kleinkriminellen Waschbären, Bandicoots, Kängurus, Dingos und einem Tasmanischen Teufel.
Manche werden seine Weggefährten, andere wollen ihm ans Fell. In der Wüste gibt es alle menschlichen Exzesse, die man sich vorstellen kann, aber auch Werte wie Freundschaft und Mut.
Story/Handlung/Dialoge/Spannung:
Die Idee ein Schnabeltier in den Mittelpunkt der Geschichte
zu rücken, hat mir sehr gefallen. Das Cover ist witzig gezeichnet, legt aber nahe, dass das Buch witzig ist. Das stimmt nur bedingt.
Die Handlung ist knapp und schnell beschrieben. Albert bricht aus dem Zoo aus, weil er sich ein besseres Leben verspricht. Endlose Landschaftsbeschreibungen lesen sich leider so reizvoll wie eine Packungsbeilage eines Antibiotikums. Da hätte ich deutlich mehr erwartet, weil mich die Idee selbst sehr überzeugt hat.
Es hapert an der Umsetzung. Die Dialoge kommen viel zu kurz und die Personen (Tiere) sind zu wenig tiefenstrukturiert. Das Buch plätschert nicht mal dahin, weil der Schreibstil alles andere als flüssig ist. Im Gegenteil: eher akademisch/trocken.
Eine sozialkritische Sicht, die an die "Farm der Tiere" anknüpfen will,scheint ebenfalls so nicht erfüllt zu werden und bleibt hinter dem Original weit zurück. All diese Mängel lassen die Spannung im Buch vermissen.
Ungeschickt habe ich die Wahl der Erzählperspektive empfunden.
Der Allwissende Erzähler taugt wenig, wenn man über das Innenleben erzählen will. Das wirkt mit der Draufsicht immer hölzern.
Die Personenvorstellung mit Bildern und kleinem Minitext fand ich sinnvoll, weil eingängig.
Insgesamt finde ich das Buch lieblos zusammengehauen. Aus dieser Spitzenidee hätte eindeutig mehr werden müssen!
Prinzipiell sollte man noch ergänzen, dass man ein brillianter Schriftsteller sein muss, wenn man eine Geschichte über ein Tier erzählen will. Das können nur sehr sehr sehr wenige Autoren!